Jakobskreuzkraut auf dem Vormarsch

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    • Jakobskreuzkraut auf dem Vormarsch

      Hochgiftige Gefahr für Weidetiere

      Es sieht hübsch aus, blüht in üppigem Sonnengelb, bevorzugt naturnah bewirtschaftete Flächen und breitet sich immer weiter aus. Leider trügt der schöne Schein. Halter von Weidetieren wie Pferde, Rinder, Schafe etc. hassen das Jakobskreuzkraut, denn es kann diese Tiere töten - auch im Heu.
      Ein Beispiel: die Friesenstute Mara sieht erbärmlich aus: Ödeme an den Beinen und der Brust entstellen ihren Körper, das Pferd ist abgemagert bis auf die Knochen und völlig teilnahmslos. Einige Tage später rennt sie immer wieder mit dem Kopf vor die Wand und wandert ruhelos hin und her. Schließlich muss Mara eingeschläfert werden. Die Autopsie bestätigte, was die Tierärztin nach der Analyse der Leberwerte bereits vermutet hat. Die Ursache für Maras Tod ist eine Vergiftung mit PA (Pyrrolizidin-Alkaloide). Die Stute hat eine tödliche Menge von Jakobskreuzkraut (JKK) aufgenommen. Eine Heilung gibt es nicht.

      Biologie des Jakobskreuzkrautes

      Das Jakobskreuzkraut ist auch unter dem Namen Jakobsgreiskraut bekannt. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Rosette mit tief geschlitzten Blättern. Von ihrer Pfahlwurzel ausgehend, erstrecken sich zahlreiche Faserwurzeln im Umkreis von 30 cm und mehr. Im zweiten Jahr wächst der aufrechte Stängel, der sich oberhalb der Mitte verzweigt. Erste blühende Pflanzen findet man ab Mitte Juni, die Hauptblütezeit ist Juli. Jakobskreuzkraut ist ein Korbblüher. Die rund 15 bis 20 mm breiten goldgelben Einzelblüten werden aus den innenliegenden Röhrenblüten gebildet, die sehr charakteristisch von 13 gelben Zungenblütenblättern umgeben sind. Ausgewachsene Pflanzen werden leicht 1 m hoch. Die kräftigen Stengel sind meist rot angefärbt.
      Die Verbreitung der Pflanze erfolgt über ungezählte Samen, die ähnlich wie beim Löwenzahn über den Wind verbreitet werden. Über die Ausdauer des Jakobskreuzkrautes gibt es widersprüchliche Angaben, die zwischen zwei bis drei Jahren und auch bis zu acht Jahren variieren. Beide Beobachtungen sind richtig. Jakobskreuzkraut kommt in der Regel erst im zweiten Jahr zur Blüte. Lässt man es dann ungestört wachsen, blühen und zur Samenreife gelangen, ist es bei Vegetationsende soweit geschwächt, dass es meist im Folgejahr nicht mehr austreibt. Wird das Jakobskreuzkraut jedoch ständig kurz gehalten, bleiben die Rosettenpflanzen sehr vital und über viele Jahre ausdauernd. Aus dieser Beobachtung leiten sich die Bekämpfungsempfehlungen ab: Einfach stehen lassen ist keine Lösung, denn dadurch wird man nur die Mutterpflanze los, während aber gleichzeitig tausende neue Pflanzen entstehen.
      Das Jakobskreuzkraut wird bereits seit mehreren hundert Jahren in unseren Breiten nachgewiesen. Es gehört zur Familie der Korbblütler – an der Spitze des Stengels wachsen korb­artig mehrere Blüten. Wurzeln, Stängel, Blätter und Blüten sind giftig. Die zweijährige Pflanze siedelt sich bevorzugt auf sonnigen, hellen Standplätzen, mageren Böden mit „offener“ Grasnarbe und auf Wegrändern an. Auch am Rand von Autobahnen hat es jeder schon gesehen.
      Der Grund: Eine Zeitlang wurde den Grasmischungen für die Bepflanzung von Straßenrandstreifen auch Samen des Jakobskrauts beigemischt. Es mag keine „nassen Füße“ und ist deswegen in Marschgegenden seltener als auf ärmeren Böden. Je ökologischer ein Landwirt arbeitet, desto artenreicher sind die Flächen, desto besser gedeiht das Jakobskreuzkraut. Spät gemähtes Heu ist häufig kontaminiert. Das Jakobskreuzkraut tritt offenbar in großen Wellen auf, jahrzehntelang war es fast verschwunden, um sich dann seit den 1980er-Jahren wieder weiträumig zu verbreiten. So ist es durchaus möglich, dass das Vorkommen in einigen Jahren wieder abebbt. Eine Erklärung hat die Wissenschaft dafür bisher nicht.

      Krankheitsverlauf


      Es fängt in der Regel recht harmlos an. Die betroffenen Tiere fressen schlecht, verlieren später sichtlich an Gewicht, ohne dass es eine schlüssige Erklärung gibt. Der Allgemeinzustand der Tiere verschlechtert sich schleichend. Das Gift kann in der Leber nicht abgebaut werden. Die Vergiftung führt sukzessive, aber unweigerlich zum Tod der betroffenen Tiere.

      Symptome der Vergiftung im Überblick

      • Gewichtsverlust
      • Konditionsverlust
      • Häufiges Gähnen
      • „Sonnenbrand“ am Maul und an den weißen Abzeichen
      • Schrunden in der Fesselbeuge (werden leicht mit Mauke verwechselt)
      • Kolik oder Verstopfung
      • Blut im Kot oder Urin
      • Erhöhte Leberwerte im Blutbild
      • Unruhe, Taumeln, Ataxie, zielloses Umherwandern des Pferdes ­(„Hepatoenzphales Syndrom“)

      Bekämpfungsmaßnahmen: Penible Weidepflege hilft
      Optimale Vermehrungsbedingungen findet das Jakobskreuzkraut auf Weiden mit mangelnder Weidepflege und unterlassener Nachmahd. Besonders häufig ist es daher auf Pferdeweiden anzutreffen. Dort verbreitet es sich zurzeit besonders deshalb so sprunghaft, weil es von den weidenden Pferden meistens mehr gemieden wird als von Rindern oder Schafen und daher in der Pferdeweide viel häufiger zum Aussamen gelangt als in Rinder- oder Schafweiden. In Pferdeweiden findet man außerdem viel häufiger überbeweidete Bereiche und Stellen mit unbewachsenem Boden, auf denen das Kreuzkraut optimale Keimbedingungen findet.
      Als wichtigste Bekämpfungsmaßnahme muss die Samenbildung der Pflanze verhindert werden. Das bedeutet, dass betroffene Flächen spätestens bei Blühbeginn gemäht werden müssen. Das gilt auch für die Nachmahd der Weideflächen. Bei Auftreten von Einzelpflanzen ist die mechanische Bekämpfung durch Ausreißen oder Ausstechen die sicherste und wirksamste Methode. Zur eigenen Sicherheit sollten Schutzhandschuhe getragen werden, da nach Hinweisen in der Literatur der Wirkstoff auch über die Haut aufgenommen werden kann. Man kann einzelne Pflanzen mitsamt der Wurzel herausreißen, aber auch aus kleinen im Boden verbliebenen Wurzelstücken wachsen neue Pflanzen. Die herausgerissenen Pflanzen dürfen nicht neben der Weide liegen bleiben! Sie müssen verbrannt oder anderweitig entsorgt werden, um eine erneute Aussamung zu verhindern. Sonst können pro Pflanze bis zu 150.000 Samen verstreut werden. Obwohl die Universität Kiel derzeit ein über mehrere Jahre angelegtes Forschungsprojekt betreibt, die Lösungswege für die Eindämmung der weiteren Verbreitung des Jakobskreuzkrauts entwickeln soll, konnten derzeit noch keine praxistauglichen Möglichkeiten zur nachhaltigen Reduktion dieser tödlichen Pflanze gefunden werden.

      Fazit
      Die Gefahr, die vom Jakobskreuzkraut ausgeht ist unbestritten erheblich. Allen Haltern von Weidetieren bleibt daher nur ein Ausweg. Alle Weiden müssen regelmäßig gründlich kontrolliert werden und etwaig vorhandene Pflanzen müssen unbedingt vollständig – also mit ihren Wurzeln entfernt werden. Anschließend sollten sie nach Möglichkeit verbrannt werden. Das dabei die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten sind, sollte selbstverständlich sein.
      Bitte unbedingt beachten: Die Gefahr im Heu ist nochmal größer, da die Bitterstoffe der Pflanze nach und nach abgebaut werden. Dadurch sinkt die Hemmschwelle der Tiere für die Aufnahme der Pflanze erheblich. Folglich muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Heu aus Grasbeständen stammt, die frei von Jakobskreuzkraut sind. Dies gilt besonders bei Heu aus einer Spätmaht.